Die Geschichte
Die Deutsche Bahn, konnte Anfang der 90er Jahre auf einen jahrzehntelangen abnehmenden Verkehrsanteil der Schiene zurückblicken. Gleichzeitig wurde die weitere Zunahme des Autoverkehrs als Schreckensszenario vorhergesagt. In dieser Situation forderte die Politik, dass die Bahn wieder Anteile zurückgewinnen müsse. Dabei wurden sie staatlichen Monopole der Staatsbahnen ineffizient betrachtet. Die Behördenbahnen waren nicht auf die wachsenden internationalen Beförderungen ausgerichtet. Verschiedene nationale Standards erschwerten den Betrieb zusätzlich. Mit der 1991 verabschiedeten EG-Richtlinie 91/440/EWG begann die Umstrukturierung des europäischen Eisenbahnmarktes.

In Deutschland erwirtschaftete die Bundesbahn 1993 rund 7,9 Milliarden Euro Verluste. Hinzu kommt noch, dass die Reichsbahn der DDR eingegliedert werden musste. Im Januar 1994 ging der unternehmerische Teil an die Deutsche Bahn AG über. Die neu geschaffene Bahn sollte kundenfreundlich Gewinne erwirtschaften.
Die Bahn baute ihr Personal rigoros mit der Rationalisierung und Modernisierung ab. Für die Mitarbeiter blieb vieles im Ungewissen. Die Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands sah bereits 1995 immer mehr Vorfälle, die bei den Eisenbahnern zu Resignation und Gleichgültigkeit geführt haben. Auch das Vertrauen in Bahnstrukturreform und Führungskräfte sei gesunken, was nach Aussage des Eisenbahnautors Erich Preuß auch mit der Neuorgansation des Unternehmens zusammenhängt. Unternehmensbereiche wurden neu geschaffen, der Geschäftsbereich Traktion und Werke, der die Lokomotiven und Triebwagen verwaltete, aufgelöst, zahlreiche Unternehmensteile ausgegliedert. Schließlich wurden 1999 in einer gesetzlich vorgeschriebenen zweiten Stufe der Bahnreform die Geschäftsbereiche für Fernverkehr, Nahverkehr, Güterverkehr, Fahrweg und Personenbahnhöfe in Aktiengesellschaften umgewandelt, wodurch die Transparenz erhöht werden sollte. Für 2002 war in einer dritten Stufe angedacht gewesen, die alles zusammenhaltende Holdinggesellschaft aufzulösen.
Auch wenn die Deutsche Bahn anlässlich ihrer 10-Jahres-Feier ihre Erfolge pries, kommen Verkehrsexperten zu einem differenzierten Ergebnis. Als Erfolg gilt, dass sich der Bund nur noch bei Investitionen und Infrastrukturfragen einmischt, das täglichen Geschäft aber der Bahn belässt. Auch bekommt die Bahn zunehmend mehr Wettbewerber und das operative Geschäft läuft ohne Zuschüsse. Jedoch bezahlt die öffentliche Hand jährlich etwa zehn Milliarden Euro für die Bestellung des Nahverkehrs sowie für Erhalt und Ausbau der Infrastruktur. Der Güter- und Personenverkehr wuchs zwar, jedoch verlor der Schienengüterverkehr Anteile und der Verkehrsleistungsanteil im Personenverkehr stieg trotz des stark geförderten Nahverkehrs nur leicht. Damit wurden die beiden Ziele der Bahnreform, Verkehr auf die Schiene verlagern und Entlastung des Staatshaushalts, nicht erreicht.